Zeitzeugin erzählt im Goethe-Gymnasium

Schon viele Jahre war es her, dass sie vor einer Klasse gesessen hatte – aber Adelheid Paret (89), die frühere Rektorin der Schubartschule in Eglosheim, fand sofort einen Draht zu den zwei Dutzend Mädchen und Jungen der Klasse 7c des Goethe-Gymnasiums Ludwigsburg, die sie am Mittwoch, vorbereitet durch ihren Geschichtslehrer Uwe Jansen, über ihre einstige Schulzeit am „Goethe“ ausfragten. Das war in den Jahren des Zweiten Weltkriegs und der Zeit des Wiederaufbaus, zunächst noch im Gebäude des Mathildenstifts – wo jeden Morgen die gestrenge Direktorin Dr. Elisabeth Kranz an der Schultür stand und keines der Mädchen (Jungens gab es erst ab 1970) wagte, zu spät zu kommen. „Wenn Luftalarm war – wie ihn heute die Ukrainer erleben müssen –, eilten wir alle hinüber in den Keller des Rathauses.“

In der Nachkriegszeit prägte Mangel den Schulalltag – Schulbücher gab es noch keine, Papier für Hefte fehlte; die Schülerin Adelheid war glücklich, als ihr aus Schweden ein Füllfederhalter geschenkt wurde, den sie die ganze Gymnasialzeit über benutzte. Trotzdem seien es schöne Jahre gewesen; Frau Paret erzählte von Ausflügen, auch von Streichen und Frohsinn; von beeindruckenden Lehrerinnen und (wenigen) Lehrern.

Mädchen, so erfuhren die Siebtklässler, standen damals gleichwohl noch unter mancher strengen Regel: Wenn die Größeren in der Pause in die Stadt gingen, so durften sie in der Eisdiele in der Seestraße sich kein Eis kaufen, um es auf der Straße zu essen: „Das schickt sich nicht!“ Und eine Generation zuvor mussten Lehrerinnen, sobald sie heirateten, ihren Beruf aufgeben – eine Art „Lehrerinnen-Zölibat“ …

Von solcherart Vorschriften und Verordnungen früherer Zeiten zeugt auch der reiche Inhalt eines Aktenschranks, der bei der Renovierung des „Goethe“ entdeckt wurde. Was Uwe Jansen und seine Geschichts-AG älterer Schülerinnen und Schüler 2018 sichteten und pädagogisch fruchtbar auswerteten, ist heute alles im Stadtarchiv bewahrt und zugänglich. Der Schrank selber, renoviert und durch einen optischen Trick immer noch, wie einstmals, prall gefüllt aussehend, ziert jetzt den Flur vor dem Lehrerzimmer. Vor diesem Schrank führte Herr Jansen, nachdem die Siebtklässler dankbar bereichert von Frau Paret Abschied genommen hatten, ein abschließendes Gespräch mit der sichtbar beglückten und belebten Ex-Schülerin – die in diesem Jahr ihr siebzigjähriges Abiturjubiläum begehen kann.

Die ganze Veranstaltung wurde von zwei Medienmentoren der Schule (zum Artikel) mit Kamera und Mikrofon festgehalten – auf der Webseite des Fördervereins der Schule (der auch die Aufstellung des historischen Aktenschranks ermöglicht hat) wird das Video alsbald zu sehen sein.

Bericht: Richard Müller-Schmitt (Schriftführer des Fördervereins)


Auf dem Foto von links Dr. Christiane Gruhnert (Lehrerin am GGL und Vorstandsmitglied des Fördervereins der Schule),
Uwe Jansen (Geschichtslehrer am GGL und Leiter der Arbeitsgemeinschaft zum historischen Schrank),
Adelheid Paret (Zeitzeugin) und Richard Müller-Schmitt (Schriftführer des Fördervereins)

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