Sei mutig, du machst den Unterschied!
Was tun, wenn jemand beleidigt, ausgrenzt und oder angegriffen wird? Wann greift man selbst ein, wann holt man Hilfe, wann benachrichtigt man die Polizei?
Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die Theatergruppe Q-rage am Donnerstag, den 22. Oktober 2026 im großen Musiksaal des Goethe-Gymnasiums im Rahmen der Jahresveranstaltung von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
Das Besondere an diesem Theaterformat: Das Publikum blieb nicht nur zuschauend, sondern gestaltete die Szenen proaktiv mit. Sowohl die Art der Diskriminierung, welche aufgeführt werden sollte, als auch der Ort, die Namen und der Tathergang durften von den anwesenden Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften gemeinsam festgelegt werden. Dabei war die Theatertruppe flexibel genug, um auf weitere Wünsche einzugehen, welche den vorgestellten Sachverhalt realistischer werden ließen.
Der Sachverhalt: Ein 14-jähriges Mädchen wird von einem 50-jährigen Mann an der Bushaltestelle erst immer wieder verbal, später auch in Ansätzen körperlich bedrängt. Beklemmung macht sich unter den Zuschauenden breit, als sich die Szene immer weiter zuspitzt. Obwohl das Mädchen versucht, der Situation zu entkommen, folgt ihr der Täter und baut sich drohend vor ihr auf. Doch kurz bevor sich der Mann dem Mädchen das Kopftuch entreißt – CUT.
…und wann war jetzt der Punkt erreicht, an dem man eingreifen muss?
Schnell wird deutlich, dass im Publikum ganz unterschiedliche Zeitpunkte genannt werden, an welcher Stelle ein Eingreifen sinnvoll oder sogar notwendig gewesen wäre. Gleichzeitig stellt man fest, warum Menschen in solch schwierigen Situationen zögern: Aus Angst, selbst zum Opfer zu werden, oder weil sie darauf hoffen, dass jemand anderes handelt. Die Künstler erklären, dass dieses Phänomen sogar einen eigenen Namen hat: Verantwortungsdiffusion.
Letztendlich bleibt die Frage: Wie kann man helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?
An dieser Stelle tritt eine Polizistin als Expertin auf: Sie empfiehlt, statt den Täter unmittelbar zu konfrontieren, könne es sinnvoller sein, die betroffene Person zu unterstützen und sie aus der Situation herauszubegleiten. Auch kleine Schritte können viel bewirken: Andere gezielt um Hilfe bitten, Umstehende direkt ansprechen und ihnen konkrete Aufgaben geben oder bei Gefahr die Polizei verständigen. Das eigene Handy sollte dabei vor allem dazu dienen, Hilfe zu holen. Sie ordnet ein, wann Videoaufnahmen als Beweis zulässig sind, welche rechtlichen Grenzen jedoch beachtet werden müssen. Immer wieder wiederholt sie dabei den wichtigsten Grundsatz: Zivilcourage zu zeigen bedeutet nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen.
Die Veranstaltung zeigt: Nicht jede Situation lässt sich einfach lösen, und es braucht manchmal Mut, den ersten Schritt zu machen. Doch man kann immer etwas tun. Wie eindrucks- und wirkungsvoll Gemeinschaft sein kann, zeigt das Ende der Aufführung, als die Szene noch einmal gespielt wird – diesmal jedoch mit fast allen Zuschauern auf der Bühne. In Angesicht einer Überzahl an Unterstützerinnen und Unterstützern gelingt es dem Peiniger kaum, überhaupt zum Mädchen durchzudringen. Zu viele, zu ge- und entschlossen schirmen Passantinnen und Passanten das Opfer sofort ab.
Man sieht: Gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam stellen wir uns dem Unrecht entgegen. Gemeinsam machen wir den Unterschied. Nicht nur heute, sondern jeden Tag im Jahr.
Ein herzliches Dankeschön geht an das SoR-Team unter Leitung von Benjamin Färber sowie Anna Wendte und Sophia Bruno (beide 11b) für die Organisation dieses rundum gelungenen Abends. Darüber hinaus natürlich auch an die Theatergruppe Q-Rage für ihre Bühnenperformance. Ermöglicht wurde die Veranstaltung dank der freundlichen Unterstützung des Elternbeirats, des Vereins der Freunde und Ehemalige sowie des Vereins Sicherer Landkreis Ludwigsburg.
Text + Fotos: J. Kukuk


