Brauchen wir 2026 eigentlich noch eine Zeitung?

Die Klasse 9c macht mit beim Projekt „Zeitung in der Schule“ der Stuttgarter Zeitung

 Nachrichten auf TikTok, Instagram oder YouTube, Pushmeldungen auf dem Smartphone und aktuelle Informationen rund um die Uhr: Braucht man da überhaupt noch eine gedruckte Zeitung? Mit dieser Frage startete die Klasse 9c im Rahmen des Projekts „Zeitung in der Schule“ der Stuttgarter Zeitung in ihre dreiwöchige Beschäftigung mit dem Medium Zeitung.
Zu Beginn stand deshalb zunächst das eigene Medienverhalten auf dem Prüfstand. Woher bekommen wir eigentlich unsere Informationen? Wie häufig lesen Jugendliche Nachrichten und welche Rolle spielt die klassische Zeitung dabei überhaupt noch? Schnell wurde deutlich, dass für viele Schülerinnen und Schüler der 9c soziale Medien und digitale Angebote ganz selbstverständlich zum Alltag gehören, die gedruckte Tageszeitung dagegen deutlich weniger.

 Zeitung unter der Lupe

Doch was steckt eigentlich in einer Zeitung? Zunächst wurden ganz unterschiedliche Zeitungen miteinander verglichen. Tages- und Wochenzeitungen, regionale und überregionale Zeitungen sowie Boulevardzeitungen wurden untersucht und ihre Titelseiten genauer unter die Lupe genommen. Was ist der Aufmacher? Welche Funktion haben Schlagzeile, Anreißer und Pressefoto? Und warum sieht die Titelseite einer Boulevardzeitung ganz anders aus als die einer überregionalen Qualitätszeitung?
Mit der täglichen Lieferung der Stuttgarter Zeitung ging es anschließend ans echte Zeitunglesen. Die Schülerinnen und Schüler durchforsteten die verschiedenen Ressorts, suchten nach aktuellen Themen und beschäftigten sich mit unterschiedlichen journalistischen Darstellungsformen. Nachricht, Bericht, Reportage, Interview, Kommentar, Glosse oder Rezension - schnell zeigte sich, dass Zeitung weit mehr ist als eine Ansammlung von Nachrichten.

 Zwischen TikTok, Fake News und Qualitätsjournalismus

Dabei ging es aber auch um eine grundsätzlichere Frage: Welche Bedeutung hat professioneller Journalismus in einer Zeit, in der Nachrichten innerhalb weniger Sekunden über soziale Netzwerke verbreitet werden? Gerade dort begegnen uns Informationen häufig ungefiltert. Seriöse Nachrichten stehen neben Meinungen, verkürzten Darstellungen und mitunter auch gezielten Falschinformationen. Umso wichtiger ist die Fähigkeit, Quellen kritisch zu hinterfragen und zwischen überprüfbaren Informationen, Meinungen und Behauptungen unterscheiden zu können.
Qualitätsjournalismus kann hier etwas leisten, das im schnellen Strom sozialer Medien leicht verloren geht: Journalistinnen und Journalisten recherchieren, prüfen Quellen, ordnen Ereignisse ein und machen unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Eine fundierte eigene Meinung setzt schließlich voraus, dass verlässliche Informationen zur Verfügung stehen.

 Und brauchen wir sie nun noch?

Nach mehreren Wochen Zeitunglesen fiel die Antwort auf unsere Ausgangsfrage differenzierter aus als zu Beginn. Sicherlich wird die gedruckte Zeitung für viele Jugendliche nicht plötzlich TikTok, Instagram oder WhatsApp Channels ersetzen und auch journalistische Angebote selbst sind längst digital geworden. Doch einige Schülerinnen und Schüler stellten durchaus überrascht fest, dass es Spaß machen kann, eine Zeitung aufzuschlagen, durch verschiedene Ressorts zu blättern und dabei auf Themen zu stoßen, nach denen man online vermutlich niemals gesucht hätte.
Vielleicht liegt genau darin eine besondere Stärke der Zeitung: Man bekommt nicht nur das angezeigt, was ein Algorithmus aufgrund bisheriger Interessen für passend hält, sondern begegnet auch Themen, von denen man vorher noch gar nicht wusste, dass sie einen interessieren könnten.
Ob auf Papier oder digital, zeitgemäß bleibt deshalb vor allem eines: guter Journalismus.
Und darüber hinaus war das Zeitungsprojekt sowohl für die Schülerinnen und Schüler der 9c als auch für Deutschlehrerin Frau Walter eine willkommene Abwechslung am Schuljahresende während der besonders heißen Tage am Goethe. Im Schatten sitzen, durch die Zeitung blättern und sich dabei einfach einmal Zeit zum Lesen nehmen – ein Müßiggang, den wir ein Stück weit verlernt haben und der in unserer schnelllebigen, digitalen Welt schon fast ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Vielleicht nehmen wir davon etwas mit in die nun kommenden freien Wochen: Zeit zum Verweilen. Das schmeckt doch schon nach Ferien!

Text + Bilder: C. Walter

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